Wenn Zeit plötzlich ganz nah wird

Manchmal sitzt man in einem Theater und erwartet eine Aufführung. Und manchmal sitzt man dort und begegnet Menschen.

Genau das ist uns diese Woche bei der Schultheaterwoche in Braunschweig passiert. Als WPK Darstellendes Spiel des 7. Jahrgangs besuchten wir das Stück „Gefangen in der Zeit“ der IGS Heidberg. Was wir gesehen haben, war weit mehr als Theater.

Die Schülerinnen und Schüler hatten ein Seniorenheim besucht. Sie hörten zu. Wirklich zu. Sie fragten nach Jugendträumen, nach dem Älterwerden, nach Ängsten, Hoffnungen und Erinnerungen. Aus diesen Begegnungen entstand ein Stück, das zeigte, wie nah sich Generationen eigentlich sind – obwohl oft Jahrzehnte zwischen ihnen liegen.

Besonders bewegend waren die Originalaufnahmen der Seniorinnen und Senioren, die in die Aufführung eingebunden wurden. Ihre Stimmen erfüllten den Raum, während einige von ihnen selbst im Publikum saßen. Da verschwamm die Grenze zwischen Bühne und Wirklichkeit. Man sah Menschen zuhören. Man sah Menschen nachdenken. Und man sah Tränen.

Ein Satz blieb besonders hängen: „Warum hat mein Vater mir nie gesagt, dass er mich lieb hat?“

So ein Satz macht etwas mit einem. Er ist leise und gleichzeitig unglaublich laut. Plötzlich geht es nicht mehr um Jung oder Alt. Es geht um Menschen. Um Dinge, die wir sagen. Und um die Dinge, die wir manchmal viel zu lange nicht sagen.

Die jungen Darstellerinnen und Darsteller der IGS Heidberg haben Mut bewiesen. Sie haben ein Thema auf die Bühne gebracht, das weder einfach noch bequem ist. Und gerade deshalb war es so wichtig.

Wir gehen nach Hause mit vielen Gedanken und noch mehr Gefühlen. Und mit der Erkenntnis, dass Theater manchmal genau das schafft, was im Alltag oft verloren geht: echtes Zuhören.

Ein großes Dankeschön an den WPK Darstellendes Spiel der IGS Heidberg. Eure Aufführung war berührend, mutig und lange nach dem letzten Applaus noch nicht zu Ende.